Wintertraum - Aktiv
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Übernachten im Winterraum

Von Pia Payer 13. Dezember 2019

Schlafen, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, in entlegene Gebiete vordringen und ganze alleine sein mit den unzähligen Sternen, die am Himmel stehen. Das Übernachten in einem Winterraum ist abenteuerlich. Ein Hauch von Survival gemischt mit einer Prise Unplanbarem. Wird der Raum auch wirklich offen ein, der Schlüssel sperren? Wird vielleicht noch jemand hereinschneien und uns Gesellschaft leisten? Die rund 300 Winterräume in Österreich eröffnen uns ganz besondere #wegeinsfreie und sind vor allem eines: ein großer Vertrauensvorschuss der Alpenvereinssektionen und ein Gut, mit dem man behutsam umgehen muss, wenn es erhalten bleiben soll.

Foto: Heli Düringer

Was ist ein Winterraum?

Ein Winterraum ist eine kleine Selbstversorgerhütte mit zwei bis 12 Schlafplätzen – Betten oder ein Matratzenlager – einer Kochgelegenheit und einem Ofen, dessen Inbetriebnahme schon so mancher kühnen Abenteurer*in zum Verhängnis geworden ist.  Brennholz wird von der Sektion, die den Winterraum besitzt, zur Verfügung gestellt und soll sparsam verwendet werden. Wird das Holz knapp, bitte den Hüttenwart verständigen.  Für ein möglichst angenehmes Übernachten im Winterraum, muss auf jeden Fall ein warmer Schlafsack, eine Stirnlampe und eine kleine Isomatte mit ins Gepäck, falls der Raum voll sein sollte und man zum Schlafen auf den Boden ausweichen muss. Empfehlenswert ist auch ein kleiner Gaskocher zum Kaffeekochen, damit man in der Früh dafür nicht extra den Ofen einheizen muss.

Wie finde ich einen Winterraum?

Fast jede Alpenvereinshütte verfügt über einen Winterraum oder zumindest über einen Notraum, der Schutz vor Schnee, Kälte und widrigem Wetter bieten soll. Winterräume findet man zum Beispiel über www.alpenvereinaktiv.com, indem man in der waagrechten Navigation auf Hütten klickt und dann links bei Filter Winterraum vorhanden anklickt. Im Hüttenfinder findet man auf der Website von jeder Hütte unter dem Reiter Ausstattung die Information, ob es ein Winterraum oder Notraum gibt. Infos rund um Winterräume findet ihr auch auf dieser Facebook-Seite: www.facebook.com/winterraum

Es gibt unversperrte und versperrte Winterräume. Um nicht vor verschlossenen Türen zu stehen und auch aus Höflichkeit, ruft man vorher bei der zuständigen Sektion an und erkundigt sich, ob ein Schlüssel benötigt wird und ob sich andere Gruppen angekündigt haben. Wird ein sogenannter AV-Schlüssel benötigt, muss dieser bei der eigenen Sektion abgeholt werden. Sperrt nur ein spezieller Schlüssel, so muss dieser bei Sektion, die den Winterraum besitzt, abgeholt werden.

Was kostet es?

Damit es diese Basecamps in den Bergen auch in Zukunft gibt, muss die Wartung und die Pflege der Winterräume für die Sektionen zumindest kostendeckend sein. Für die Entrichtung der ohnehin geringen Übernachtungskosten stehen in den Winterräumen kleine Spardosen bereit. Wer kein Bargeld hat, kann den Betrag auch im Nachhinein überweisen. Als Alpenvereinsmitglied zahlt man oft einen ermäßigten Beitrag.

 Wissenswertes über Winterräume

  • Wenn es kein fließendes Wasser im Winterraum gibt, bleibt nur das Schneeschmelzen zum Kochen, die Schneedusche für die Körperreinigung und ein gutes Deo – den anderen zuliebe. Beim Schneeschmelzen beachten: „Don’t eat yellow snow!“ 😉
  • Eigenes Klopapier mitnehmen empfiehlt sich. Sparsam verwenden und das Geschäft bitte nicht unmittelbar vor der Hütte verrichten. Das Hineintreten in einen Haufen bringt sprichwörtlich nur bei einem von Hunden Glück. 😉
  • Ein Feuerzeug, leichtes Campinggeschirr und – wie eingangs erwähnt – ein kleiner Gaskocher sind Garanten für ein warmes Essen, falls die Kochausstattung unvorhergesehen spartanisch aussieht oder während der Saison Beine bekommen hat.
  • Steckdosen gibt es im Winterraum sehr selten, das ist wahrscheinlich keine Überraschung und das Mitnehmen einer Power Bank kein Life Hack. Aber da sich bekanntlich so manche Telefone bei Kälte schnell verabschieden, kann eine Power Bank von Nutzen sein.
  • Bargeld für die Hüttenkasse nicht vergessen. Manchmal gibt es auch Erlagscheine, damit man im Fall im Nachhinein überweisen kann.
  • Das richtige Bedienen des Holzofens ist wichtig, damit der Winterraum nicht abbrennt, der Hüttenwirt nicht verzweifelt und man nicht den ganzen Sauerstoff verbrennt und im schlechtesten Fall nicht mehr aufwacht (Kohlenmonoxid-Vergiftung!). Sollte der Ofen gar nicht ziehen, kann es an der geschlossenen Karminklappe liegen oder daran, dass man das Feuer im Backrohr entfacht hat.

No Go’s:

  • Das Inventar verheizen, wenn das Brennholz aufgebraucht ist.
  • Einheizen im Backrohr oder im Rauchabzug, statt im Ofenloch.
  • Aufgebrochene oder gestohlene Hüttenkassen
  • Den Müll für den „Room Service“ oder die Mäuse stehen lassen.
  • Sich im Vorraum „erleichtern“
  • Decken und Töpfe als Souvenirs mitnehmen
  • Aus dem Winterraum eine Sauna machen
  • Hüttenfenster einschlagen und einbrechen. (Sollte man tatsächlich in eine Notsituation geraten, bitte die Schäden melden und dafür aufkommen.)

Winterräume für Winterträume

Die Redaktion empfiehlt:

  • Winterraum am Taschachhaus im Pitztal (T)
  • Winterraum der Breslauer Hütte (T)
  • Winterraum der Hildesheimer Hütte (T)
  • Winterraum Rauhekopfhütte (T)
  • Winterraum auf der Bieberacher Hütte (V)
  • Winterraum der Oberwalder Hütte (K)
  • Winterraum des Niedersachsenhaus (S)

✉ Habt ihr noch Tipps und Fotos von Winterraum-Abenteuern? Dann schickt sie uns an jugend@alpenverein.at und wir stellen sie euch gesammelt in einem Blogbeitrag vor!

Pia Payer