Aktiv

Nepal – Land der Träume?

Von Martin Rausch 19. Mai 2020

Nepal-Abenteuer unterstützt durch die Junge Alpinisten Förderung

Du hast immer schon davon geträumt, einmal zum Bergsteigen nach Nepal zu fliegen? Ich auch. Seit langem schon. Es erscheint nämlich fast der perfekte Ort für eine Auszeit zu sein, weg vom täglichen Stress der uns umgibt – hin zu Ruhe und Entspannung in den höchsten Bergen der Welt. Recht kurzfristig hat sich im Herbst vorigen Jahres ein Zeitfenster von drei Wochen für mich und meine Freundin ergeben und wir beschlossen, unseren Traum zu verwirklichen.

Nur eineinhalb Wochen vor Abflug buchten wir unseren Flug von Wien nach Kathmandu zu einem recht fairen Preis mit Qatar Airways, welche uns komfortabel und sicher in die Hauptstadt Nepals brachte. Obwohl wir schon einiges gehört hatten, wie furchtbar Kathmandu doch sein sollte, freuten wir uns auf das, was da kommen würde. Und trotzdem: Die Hauptstadt Nepals ist völlig anders als alles, was wir bisher gesehen und erlebt haben – und so anders, als wir das vom kleinen, verschlafenen Nepal erwartet hätten!

Nepal ist doch Asien

Abgesehen vom Linksverkehr und der Tatsache, dass es keine Ampeln gibt, welche den Verkehr regeln (in einer Millionenstadt!), passiert auf der Straße alles, was so zum Leben dazugehört – Transport, Handel, Erholung, Spiel und Spaß – und das alles gleichzeitig und gefühlt zehn Mal intensiver, als man es von stressigen europäischen Metropolen kennt. Unmengen an stinkenden und rauchenden LKWs, Autos und Mopeds teilen sich die von Schlaglöchern durchsetzte, staubige Straße mit Händlern, die ihre Waren feilbieten (diese sind aus Prinzip von bester Qualität und handgemacht, eh klar), während Menschen einfach auf der Straße direkt am Boden schlafen. Wieder andere sitzen in diesem Chaos zusammen und spielen Schach. Wow, was für ein Erlebnis! Auch wenn es nicht das war, wofür wir eigentlich hergekommen sind.

Also – schnell weg hier. Pokhara schien uns die beste Option zu sein, dem Treiben in Kathmandu zu entfliehen und somit begaben wir uns auf die kurze Reise von 200 km in Richtung Westen, dem Ausgangspunkt für Trekkingtouren im Annapurnagebiet. Aber Moment – die kurze Reise entpuppte sich als Ritt auf der (leider sehr langsamen) Kanonenkugel. Über den „Highway“ brauchten wir dank Schlaglöcher und liegengebliebener LKWs und Autos gute acht Stunden. Acht Stunden, welche uns so schlauchten, dass der Tag letztlich gelaufen war. An den darauffolgenden Tagen entpuppte sich Pokhara aber als richtig netter Ort und wir machten erstmals Bekanntschaft mit der nepalesischen Gastfreundschaft, nachdem wir von einem Shopbesitzer kurzerhand zum gemeinsamen Mittagessen bei sich und seiner Familie eingeladen wurden. Dort erfuhren wir, dass in Nepal etwa ein Drittel der Menschen nicht lesen und schreiben können – auch unser Gastgeber Gulam war Analphabet, was ihn aber nicht vor internationalem Handel abhielt. Richtig krass.

Ab in die Berge!

Nach ein paar Tagen hatten wir trotzdem genug von Stadt und machten uns auf den Weg in die Berge – eine Kombination aus Poon Hill und Annapurna Basecamp Trek stand für uns am Programm. Wir entschieden uns bewusst gegen Guide und Träger – nachdem wir in den Alpen auch prinzipiell allein unterwegs sind, erschien uns das passender. Rückblickend betrachtet war diese Entscheidung goldrichtig. Die Navigation ist (zumindest auf den stark frequentierten Treks) in Nepal deutlich einfacher als zu Hause – den gepflasterten Wegen mit tausenden Stufen sei Dank.

Doch nicht nur die Wege sind anders angelegt als daheim, es gibt einige nennenswerte Unterschiede zwischen dem Wandern, wie wir es kennen, und Trekking in Nepal: Das ist einerseits die Tatsache, dass die Berge, die dich in Nepal umgeben, 6.000 bis 8.000 Meter hoch sind. Die Konsequenz daraus ist, dass du die längste Zeit im Tal auf bis zu 4.000 oder 5.000 Meter hohen Bergen herumläufst – Aussichtspunkte gibt es, die sind aber im Vergleich zu den Alpen äußerst spärlich. Positiv empfunden haben wir die große Anzahl an Teahouses, wo man jederzeit ein vollwertiges, gutes Essen bekommen kann – vom nepalesischen Nationalgericht Dal Bhat (Linsensuppe mit Reis) sogar mit kostenlosen Nachschlag, so lange, bis man wirklich satt ist. Etwas skurriler fanden wir dann aber, dass es in fast jedem dieser Teahouses WLAN gab (auch auf >4.000 m – etwas, das wir uns für die Alpen nicht wünschen) – wir waren fast besser vernetzt als zu Hause. Deutliche Abstriche muss man aber im Bezug auf die Hygienestandards machen, die sind teils miserabel. Diesen Missstand macht aber die freundliche und zuvorkommende Art der Nepali wieder wett. Traurige und missmutige Gesichter sucht man vergebens – und das, obwohl sie nicht immer nur das neueste iPhone und die krassesten Designer-Klamotten haben.

Die Alpen spielen doch in derselben Liga wie der Himalaya

Als wir nach ein paar Tagen dann der Annapurna, dem für uns ersten Achttausender, gegenüber standen, umfing uns ein Gefühl von Demut – so gewaltig sind die Ausmaße dieses Bergmassivs. Und trotzdem hatten wir dieses Gefühl schon öfter auch in den Alpen gehabt, es war uns nicht fremd. Ja, eigentlich war dieses Gefühl in den Alpen sogar schon stärker gewesen. Der Mont Blanc von Chamonix aus beispielsweise, aber auch der Großglockner vom Ködnitzkees aus, hat uns eigentlich mehr den Atem geraubt. „Das ist cool!“, dachte ich mir insgeheim. Ich muss also nicht um die halbe Welt fliegen, um ein tolles Bergerlebnis zu haben. Nein, für mich gewinnen die Alpen jeden Vergleich mit dem Himalaya. Ich kann den ganzen Tag von Gipfel zu Gipfel laufen, und dabei bedenkenlos aus jeder Quelle trinken, der ich begegne, um abends dann erschöpft nach meinem Bergsteigeressen auf einer der hunderten AV-Hütten ins feine, saubere Bett zu fallen. Das ist schön, das sind die Alpen! Vielleicht braucht es aber genau solche Reisen wie unsere nach Nepal , um letztlich zu schätzen, was man zu Hause hat. Bei uns hat’s gewirkt. Wir haben unseren Traum gelebt und dabei herausgefunden, dass wir bereits zu Hause das ausleben können, was sich andere gar nicht erträumen lassen.

Die Tour selbst

Wir haben eine Kombination vom klassischen Poon Hill Trek und dem Annapurna Basecamp Trek gemacht. Dazu haben wir uns im Hotel in Pokhara (gebucht über booking.com) ein Taxi nach Naya Pul organisiert (etwa 20€, prinzipiell in jedem Hotel möglich). Das überflüssige Gepäck konnten wir kostenlos im Hotel zurücklassen und es nach dem Trekking wieder einsammeln. Am Trek haben wir mit dem alpenvereinaktiv-App problemlos navigiert. Das Garmin inReach Gerät (zum versenden von SMS über Satellit) haben wir letztlich umsonst mitgetragen – WLAN in den Teahouses hat uns immer Kontakt mit zu Hause halten lassen. So lange man also auf den stark frequentierten „klassischen“ Treks bleibt, ist man mit Smartphone für Notfälle gut aufgehoben. Wir waren ohne Guide und Träger unterwegs, was uns flexibel und unabhängig machte.

Wir haben keine Unterkunft vorreserviert, sondern sind täglich so lange gegangen, wie wir wollten – erst dann haben wir uns nach einer Unterkunft umgesehen. Das war selbst in der Hauptsaison ohne Probleme möglich. Sollte einmal alles voll sein, einfach ins nächste Dorf weitergehen, dann findet man sicher einen Platz zum Schlafen. Unbedingt mitnehmen sollte man einen Schlafsack mit Komfortzone um 0 °C – die Teahouses sind ungeheizt und in der Nacht wird’s empfindlich kalt —> Daunenjacke einpacken!

Achja, und eines noch: Wir haben vor Ort Geld über die Kreditkarte behoben (nur in den größeren Städten und dann nicht immer, am Trek gar nicht möglich! Nach Möglichkeit Mastercard und VISA mitnehmen, manchmal funktioniert die eine, dann die andere). Das kostet einiges an Extra-Gebühren. Sollten wir nochmals hinfahren, würden wir genug Bargeld (entweder Euro oder sogar besser Dollar) von zu Hause mitbringen und vor Ort wechseln, das kommt günstiger.

Du hast Fragen? Schreib mir: mat.rausch@gmail.com
Ich freue mich, diese zu beantworten!

Hardfacts:

  • Flug Wien – Kathmandu etwa 650€
  • Beste Reisezeit Frühjahr oder Oktober/November
  • Kosten für Bus von Kathmandu nach Pokhara 15-20 €
  • Kosten für Taxi von Pokhara nach Naya Pul (Startpunkt von Poon Hill, Annapurna Basecamp, Mardi Himal und Khopra Dada Trek —> diese sind alle gut und problemlos kombinierbar) etwa 20€
  • Übernachtungskosten am Trek inklusive komfortabler Verpflegung pro Person und Nacht im Schnitt etwa 15-20€
  • Einen warmen Schlafsack (Komfortzone etwa 0 °C) braucht’s auch für die Übernachtung auf Hütten
  • Wasserfilter und Desinfektionsmittel einpacken
  • Mückenspray für Kathmandu, Pokhara und Chitwan einpacken (Dengue-Fieber-Gebiet)

Martin Rausch

Lisa und Martin sind beide seit vielen Jahren aktive Mitglieder bei der Akademischen Sektion Graz des Österreichischen Alpenvereins und lieben es, draußen zu sein: egal ob auf Schi, am Fels oder am Trail - Hauptsache in der Natur mit lieben Menschen um uns.