Natur

Auch Tierkinder müssen in die Schule gehen

Von Birgit Kantner 19. März 2020

Auch Tierkinder haben Unterricht. Der findet immer draußen im Freien statt und die Lehrer*innen sind meist die Eltern, Onkel und Tanten. Tierkinder sind viel früher mit der Schule fertig als wir, aber der Unterricht ist viel strenger. Auf dem Stundenplan stehen „das Jagen“, „Futter suchen“, „Freunde finden“, „Feinde erkennen“, „das Flüchten“, „das Fliegen“, „ein Nest bauen“ und vieles mehr.

Entenküken

Schwimmen müssen die kleinen Enten nicht lernen. Das ist ihnen angeboren, deshalb können sie das sofort ausgezeichnet. Doch sie wissen nicht, wo es das beste Futter gibt und vor allem nicht, wie man dieses erreicht. Enten finden ihr Fressen nämlich oft unter Wasser und müssen dazu erst tauchen lernen! Sie stecken den Kopf unter Wasser, um die Grashalme und anderes Futter zu erreichen. Das Schwänzchen ragt dabei senkrecht aus dem Wasser. Dies zu lernen, ist gar nicht so einfach für die Entenküken. Es besteht die Gefahr des Ertrinkens, wenn sie ihr Köpfchen zu lange unter Wasser halten. Diese Futtersuche nennt man Gründeln. Auch das Fliegen müssen die kleinen Entenkinder erst lernen. Erst nach ca. acht Wochen beherrschen sie Starts und Landungen vom und auf dem Wasser sowie die schwierigen Flugmanöver in der Luft.

Rehkitze

Als Erstes lernen junge Rehe, wie sie möglichst unsichtbar vor Feinden bleiben. Sie rollen sich dabei ganz klein am Boden in einer Mulde zusammen und harren in der Abwesenheit der Mutter dort völlig reglos aus. So schützen sie sich in der ersten Zeit vor den Füchsen, den Mardern oder anderen Feinden. Später lernen Rehkitze in der Gruppe das Kampfverhalten, das Imponiergehabe und ganz wichtig: Sie lernen, schnell und rechtzeitig zu flüchten. Mit ihren dünnen langen Beinen springen sie rasch davon und flüchten ins Dickicht, das ihnen wiederum Schutz gibt.

Jungfüchse

Auch junge Füchse haben viel zu lernen. Man sagt nicht umsonst: „Schlau wie ein Fuchs“! Der Unterricht teilt sich auf in „sich vor Feinden verstecken“ und „Futtersuche“ sowie „gute Plätze für einen Fuchsbau finden“ und vieles mehr. In den Pausen wird, wie auch bei uns Menschenkindern, oft wild herumgetollt und im Spiel viel Neues entdeckt.

Eichhörnchen-Junge

Die kleinen Eichhörnchen müssen als Erstes Klettern und von Ast zu Ast springen lernen. Das ist gar nicht so leicht. Am Anfang kann es schon passieren, dass ein Junges vom Baum abstürzt, weil es die Distanz zum nächsten Ast zu gering berechnet hat oder der Ast das Gewicht des Eichhörnchens nicht trägt. Auch müssen die kleinen Eichhörnchen lernen, ihr Futter in geeigneten geheimen Verstecken für den Winter zu lagern. Sie dürfen sich dabei nicht beobachten lassen, sonst ist der mühsam gesammelte Wintervorrat weg!

Birgit Kantner

...Ökologin, seit 2013 in der Abteilung Raumplanung und Naturschutz tätig